Dein Recht auf Arbeitszeugnis & Zwischenzeugnis

In diesem Bereich findest Du viele wichtige Informationen zu Deinem Recht als Arbeitnehmer, Werkstudent, Minijobber etc. auf ein Arbeitszeugnis & ein Zwischenzeugnis

Als Arbeitnehmer kannst Du grundsätzlich immer beanspruchen, ein Arbeitszeugnis ausgestellt zu bekommen.

Dies gilt unabhängig davon, ob Du in Vollzeit oder Teilzeit, befristetet oder unbefristet angestellt bist. Auch wenn Du eine Tätigkeit nur im Nebenjob ausübst, ein Praktikum oder eine Ausbildung machst oder eine Aushilfstätigkeit wahrnimmst, hast Du Anspruch auf ein Zeugnis.

Das gilt auch, wenn Du Zeitarbeitnehmer bist. Als Zeitarbeitnehmer kannst Du das Zeugnis aber nur von der Zeitarbeitsfirma verlangen, bei der Du unter Vertrag stehst, nicht von den Betrieben, in denen Du eingesetzt wirst.

Ja.

Grundsätzlich muss Dein Arbeitgeber nur auf Verlangen ein Arbeitszeugnis ausstellen. Das heißt, Du musst ihn dazu auffordern, Dir ein Arbeitszeugnis auszustellen. Ein Zeugnis kannst Du bei Kündigung, bei Abschluss eines Aufhebungsvertrages oder am Ende einer befristeten Tätigkeit verlangen. Auszubildenden muss immer ein Abschlusszeugnis ausgestellt werden. Auch ohne Verlangen.

Wenn Du ein Zwischenzeugnis von Deinem Arbeitgeber in einem laufenden Arbeitsverhältnis haben möchtest, musst Du hierfür einen besonderen Grund haben. Ein besonderer Grund ist (neben vielen anderen) zum Beispiel

  • ein Wechsel Deines Vorgesetzten;
  • die Versetzung in eine andere Abteilung;
  • eine Situation, in welcher Du ein aktuelles Zeugnis benötigst, zum Beispiel für die Bewerbung auf eine andere Stelle.

Wenn ein besonderer Grund bei Dir vorliegt, kannst Du also Deinen Arbeitgeber auffordern, Dir ein Zwischenzeugnis auszustellen. 

Das einfache Zeugnis muss nur Deine Personalien enthalten und angeben, über welchen Zeitraum Du welche Beschäftigung ausgeübt hast. Deine Arbeitsleistung wird in einem einfachen Zeugnis nicht bewertet.

Im qualifizierten Arbeitszeugnis werden zusätzlich Aussagen über Deine Arbeitsleistungen und über Dein gesamtes Verhalten getroffen.

Ein einfaches Zeugnis kann zum Beispiel erteilt werden, wenn Du nur kurz im Unternehmen tätig warst und Du das Zeugnis lediglich brauchst, um einen lückenlosen Lebenslauf nachweisen zu können.

In den meisten Fällen solltest Du aber um ein qualifiziertes Zeugnis bitten, denn bei Bewerbungen kann ein Zeugnis ohne Bewertung Deiner Leistungen Personalentscheider und potenzielle neue Arbeitgeber misstrauisch machen.

Folgende Punkte sollten sich in einem qualifizierten Arbeitszeugnissen befinden:

  • Überschrift „Arbeitszeugnis“;
  • Deine Personalien, Angaben zur Firma, Eintrittstermin und Beschäftigungsende;
  • Darstellung des Unternehmens;
  • Deine Aufgaben, Verantwortung, Kompetenzen, hierarchische Position und Werdegang im Unternehmen;
  • Bewertung Deiner Leistungen;
  • Bewertung Deiner Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise, Arbeitserfolg;
  • Zusammenfassende Leistungsbewertung;
  • Bewertung Deines Verhaltens;
  • Ggf. Austrittsgrund und Schlussformel mit Danksagung, Ausstellungsdatum sowie eigenhändiger Unterschrift des Vorgesetzten.

Beachte: Es müssen sich nicht alle Punkte ausnahmslos im Zeugnis befinden. Je mehr, umfangreicher und positiver diese Punkte im Arbeitszeugnis jedoch dargestellt werden, desto besser ist es für Dich.

Für die formelle Gestaltung von Arbeitszeugnissen haben sich bestimmte Standards durchgesetzt, die Du grundsätzlich auch einfordern kannst. Hier die wichtigsten Punkte, die Dein Zeugnis aufweisen muss:

  • Üblich ist das A4-Format auf ungelochtem und unbeschädigtem Firmenpapier (nicht zerknittert oder beschmutzt);
  • Das Zeugnis muss ausgedruckt – also nicht digital erstellt – werden;
  • Es muss in Maschinenschrift und nicht nur handschriftlich verfasst sein;
  • Das Zeugnis sollte außerdem eine der Dauer der Zusammenarbeit angemessene Länge haben;
  • Als Ausstellungsdatum sollte der letzte Arbeitstag angegeben sein. Wer sein Arbeitszeugnis später erhält, der kann nicht verlangen, dass es rückdatiert wird;
  • Die Unterschrift muss vom Geschäftsführer, einem direkten Vorgesetzen oder dem Personalchef stammen. Es darf also z. B. nicht nur ein Kollege oder die Assistentin der Geschäftsleitung unterzeichnen.

Ja.

Am Ende des Zeugnisses steht grds. ein bewertender Satz, mit dem Deine Gesamtleistung in ein Notensystem mit den Noten von 1 (sehr gut) bis 5/6 (mangelhaft & schlechter) eingestuft wird. Anhand der entsprechenden Formulierung kannst Du erkennen, welche Note Dir Dein Vorgesetzter gegeben hat.

Folgendes Notensystem ist in Zeugnissen üblich:

  • Note sehr gut: „Seine Aufgaben erfüllte er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“
  • Note gut: „Seine Aufgaben erfüllte er stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“
  • Note befriedigend: „Seine Aufgaben erfüllte er zu unserer vollen Zufriedenheit.“
  • Note ausreichend: „Seine Aufgaben erfüllte er zu unserer Zufriedenheit.“
  • Note mangelhaft und schlechter: „Seine Aufgaben erledigte er in der Regel zu unserer Zufriedenheit.“

Beim Schreiben Deines Zeugnisses muss Dein Arbeitgeber die folgenden Grundsätze beachten:

  • Grundsatz der Klarheit (Dein Zeugnis muss transparent und leicht verständlich geschrieben sein);
  • Grundsatz der Wahrheit (Die Formulierungen in Deinem Zeugnis müssen wahr sein);
  • Grundsatz des Wohlwollens (Die Formulierungen in Deinem Zeugnis müssen Dich grds. in einem guten Licht erscheinen lassen);
  • Grundsatz der Vollständigkeit (Dein Zeugnis sollte die oben aufgeführten Punkte ausführlich behandeln);
  • Grundsatz der individuellen Beurteilung (Die Formulierungen in Deinem Zeugnis müssen sich auf Deine Leistungen und Dein Verhalten beziehen).

Eine bessere Beurteilung als ein „befriedigend“ kannst Du nur verlangen, wenn Du beweisen kannst, dass Du tatsächlich gut oder besser gearbeitet hast, als „befriedigend“.

Umgekehrt darf Dein Arbeitgeber Dich nur dann schlechter als mit der Note „befriedigend“ bewerten, wenn er belegen kann, dass Deine Leistungen allenfalls ausreichend waren.

Vor Gericht ist die Bewertung und Benotung ein häufiges Streitthema. Solltest Du ein Zeugnis mit der Note „befriedigend“ oder schlechter bekommen haben, macht es durchaus Sinn, zu prüfen, ob Du diese Benotung verbessern kannst.

Die Verwendung bestimmter Formulierungen durch Deinen Arbeitgeber in Deinem Arbeitszeugnis kann ein versteckter Hinweis auf positive oder negative Bewertungen sein.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Schlussformel:

Positiv zu werten wäre, wenn man Dir für Deine Leistungen dankt, Dein Ausscheiden bedauert und zusätzlich gute Wünsche ausspricht. Dabei sollte Dir nicht nur persönlich, sondern auch beruflich alles Gute gewünscht werden. Außerdem sollte dieser Wunsch den Zusatz „weiterhin viel Erfolg“ enthalten. Wünscht man Dir lediglich „für die Zukunft viel Erfolg“, so kann darin ein versteckter Hinweis liegen, dass es damit in der Vergangenheit nicht so gut bestellt war.

Fehlt die Schlussformel ganz, so kannst Du in der Regel nicht beanspruchen, dass sie ergänzt wird.

Der Austrittsgrund darf nur dann im Zeugnis aufgeführt werden, wenn Du hiermit einverstanden bist. Dein Chef darf also nicht eigenmächtig hineinschreiben, dass Du z.B. verhaltensbedingt gekündigt wurdest.

Hast Du Fragen zum Verständnis oder zum Inhalt Deiner Zeugnisses, dann schau einmal oben in die Punkte, die Dein Zeugnis enthalten muss und prüfe, ob sie sich so auch in Deinem Zeugnis befinden.

Wenn Du Verbesserungen Deines Zeugnisses wünschst, kannst Du diese erstmal direkt bei Deinem Arbeitgeber beantragen bzw. selbst in Dein Zeugnis einbauen. Lass Dir daher erstmal einen Entwurf im Word-Format geben, den Du selbstständig anpassen kannst. Meist lassen sich Unstimmigkeiten durch Gespräche mit Deinem Arbeitgeber oder Deinem Vorgesetzten lösen.

Sollte sich Dein Arbeitgeber stur stellen oder solltest Du weiterhin Verständnisschwierigkeiten haben, die Dein Arbeitgeber nicht klären kann, wende Dich gerne an einen unserer Partner. Siehe hierfür unten.