Dein Recht bei ausbleibendem Gehalt

Du hast einen Vollzeit- oder Teilzeitjob? Du bist Werkstudent oder hast einen Minijob? Du bist im öffentlichen Dienst angestellt, Beamter oder Aushilfskraft?

Wenn Dein Arbeitgeber Dir Deinen Arbeitslohn nicht rechtzeitig zahlt, kannst Du diesen von ihm gerichtlich & außergerichtlich einfordern. Erfahre hier, wie Du am besten vorgehst.

Höhe Deines Gehalts und Tag der Zahlung stehen in Deinem Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag

In Deinem Arbeitsvertrag oder, sofern ein solcher gilt, im Tarifvertrag, steht drin, wann und in welcher Höhe Dein Arbeitgeber Dir Dein Gehalt zahlen muss. Wenn Du Dein Gehalt und den Fälligkeitstag der Zahlung Deines Gehalts herausbekommen möchtest, gehe wie folgt vor:

Schritt 1 – Höhe Deines Gehalts rausfinden

Die Höhe Deines Gehalts steht in der Regel in Deinem Arbeitsvertrag.

Sollte ein Tarifvertrag existieren oder solltest Du im öffentlichen Dienst arbeiten, so richtet sich Dein Gehalt nach den im Tarifvertrag geltenden Sätzen. Ob ein Tarifvertrag für Dich gilt, steht in Deinem Arbeitsvertrag. Schau hier einmal nach, ob Du das Wort “Tarifvertrag” findest.

Schau also in Deinen Arbeitsvertrag, in dessen Zusatzvereinbarungen und ggf. in den für Dich geltenden Tarifvertrag.

Findest Du irgendwelche Dokumente nicht, in denen Dein Gehalt steht, frag einmal bei der Personalabteilung Deines Arbeitgebers nach. Diese müssen Dir Auskunft geben.

Schritt 2 – Datum der Fälligkeit der Zahlung Deines Gehalts rausfinden

In fast allen Verträgen steht, dass Dir das Gehalt am oder bis zum letzten Werktag des jeweiligen Monats ausgezahlt werden muss. Schau einmal in Deinem Arbeitsvertrag oder in dem für Dich geltenden Tarifvertrag nach, um herauszufinden, ob das auch für Dich gilt. Steht drin, dass Dein Gehalt bis zum letzten Werktag des Monats gezahlt werden muss, heißt das, dass Dein Gehalt bis zum letzten Werktag des Monats auf Deinem Konto eingegangen sein muss.

Es kann natürlich auch sein, dass Du einen anderen Zahlungsrhythmus mit Deinem Arbeitgeber vereinbart hast, z.B. einen Wochenrhythmus oder einen 3-Monats-Rhythmus. Das ist alles möglich. Wichtig ist, dass Du den genauen Tag herausfindest, an dem Dir Dein Gehalt gezahlt werden müsste.

Deine Rechte & Ansprüche hängen von der jeweiligen Situation ab – hier hast Du eine Übersicht

Sollte Dir Dein Arbeitgeber Dein Gehalt nicht vollständig oder nicht rechtzeitig zahlen, dann hast Du, abhängig von der jeweiligen Situation, folgende Rechte. Weiter unten erklären wir Dir jeden Schritt nochmal im Einzelnen:

  • Du kannst ihn zur Zahlung auffordern: Wenn Dein Arbeitgeber Dein Gehalt nicht rechtzeitig zahlt, kannst Du ihn per E-Mail unter Fristsetzung von 7 Tagen zur Zahlung des rückständigen Betrages auffordern.
  • Abmahnung bei ausbleibender Zahlung: Sollte Dein Arbeitgeber trotz Aufforderung zur Zahlung unter Fristsetzung Deinen Lohn nicht zahlen, kannst Du ihm eine Abmahnung schicken und hierin nochmal eine Frist zur Zahlung setzen.
  • Recht zur fristlosen Kündigung: Hast Du Deinen Arbeitgeber abgemahnt und hat er Dein Gehalt bereits seit 2 Monaten nicht gezahlt, kannst Du Dein Arbeitsverhältnis fristlos kündigen.
  • Schadensersatz & Abfindung: Wenn Du fristlos kündigst, kannst Du zusätzlich Schadensersatz verlangen. Und zwar in Höhe der Anzahl der Monate, die eine ordentliche Kündigung laut Deinem Arbeitsvertrag dauern würde. Zusätzlich kannst Du eine Abfindung als Kompensation für den Verlust Deines Arbeitsplatzes von Deinem Arbeitgeber verlangen. Und zwar in Höhe von 0,5 Bruttomonatsgehältern multipliziert mit der Anzahl der Jahre, die Du für ihn gearbeitet hast.
  • Du hast das Recht auf Arbeitsverweigerung: Sollte Dein Arbeitgeber bereits seit 2 Monaten Dein Gehalt nicht zahlen und bist Du ganz normaler Arbeitnehmer, Werkstudent, Minijobber, Angestellter etc., dann kannst Du ab dem 3. Monat die weitere Arbeit verweigern.
  • Bei Arbeitsverweigerung hast Du das Recht auf Arbeitslosengeld: Verweigerst Du Deine Arbeit, nachdem Dein Arbeitgeber 2 Monate lang nicht gezahlt hat berechtigterweise, bekommst Du ab dem 3. Monat Arbeitslosengeld vom Jobcenter, wenn Du dieses beantragst.
  • Du kannst Dein Gehalt plus Zinsen verlangen: Wenn Dein Arbeitgeber Dein Gehalt nicht rechtzeitig zahlt, ist er im Zahlungsverzug. Du darfst von Deinem Arbeitgeber also zusätzlich zur Nachforderung Deines Gehalts, Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz verlangen.
  • Du kannst für jeden Monat 40 EUR Pauschale verlangen: Zusätzlich zu den Zinsen kannst Du für jeden Monat, in dem Dein Arbeitgeber mit der Zahlung Deines Gehalts in Verzug ist, eine Pauschale in Höhe von jeweils 40 EUR verlangen.
  • Du hast das Recht auf Klage: Sollte Dein Arbeitgeber mit der Lohnzahlung im Rückstand sein, kannst Du auch sofort Klage vor dem Arbeitsgericht auf Zahlung des rückständigen Lohnes erheben. Zusätzlich kannst Du auch die Pauschale von 40 EUR pro Monat und die Verzugszinsen einklagen. Solltest Du fristlos gekündigt haben, kannst Du auch Schadensersatz & Abfindung vor dem Arbeitsgericht von Deinem Arbeitgeber einklagen.

Ja, es gelten oft die 3- oder 6-Monat-Ausschlussfristen

In vielen Arbeitsverträgen stehen sog. Ausschlussfristen. Diese sind oft 3-6 Monate lang. Eine Ausschlussfrist bedeutet, dass Du Ansprüche aus Deinem Arbeitsverhältnis nach Ablauf der vereinbarten Frist nicht mehr geltend machen kannst. Auch nicht gerichtlich.

Schau also einmal in Deinem Arbeitsvertrag oder in dem für Dich geltenden Tarifvertrag nach. Steht dort eine Ausschlussfrist drin, musst Du meist schnell handeln und das ausstehende Gehalt sofort einfordern. Meist bestehen die Ausschlussfristen aus zwei Fristen, die Du einhalten musst.

Folgendes musst Du also tun:

  • innerhalb der ersten Frist (meist 3 Monate) musst Du Deinen Arbeitgeber außergerichtlich zur Zahlung Deines Gehalts auffordern. Zur Formulierung schaue bitte oben;
  • falls Dein Arbeitgeber immer noch nicht zahlt, musst Du innerhalb der weiteren Frist (meist weitere 3 Monate) Dein Gehalt vor dem Arbeitsgericht einklagen.

Du kannst natürlich auch innerhalb der ersten Frist direkt Klage beim Arbeitsgericht erheben. Wie Du das am besten machst, erfährst Du weiter unten.

Beispiel wenn in Deinem Arbeitsvertrag eine Ausschlussfrist steht

Dein Gehalt für den Monat März 2020 geht nicht wie vereinbart bis zum 31. März 2020 auf Deinem Konto ein. Wenn in Deinem Arbeitsvertrag eine Ausschlussfrist von 3 Monaten zur außergerichtlichen Geltendmachung Deiner Ansprüche steht, musst Du Deinen Arbeitgeber bis zum 30. Juni 2020 per Brief oder am besten per E-Mail auffordern, Dir das fehlende Gehalt zu zahlen.

Sollte Dein Arbeitgeber dies nicht bis zum Ablauf der von Dir gesetzten Frist tun, musst Du innerhalb einer weiteren Frist (meist nochmal 3 Monate) Klage auf Zahlung Deines Gehalts bei dem für Dich zuständigen Arbeitsgericht erheben.

Versäumst Du eine der beiden Fristen, kannst Du den Anspruch auf Dein Gehalt für den Monat März 2020 nicht mehr geltend machen.

Ja, Du kannst das rückständige Gehalt plus Zinsen & sogar einer monatlichen 40 EUR Pauschale fordern

Sobald Dein Arbeitgeber Dir Dein Gehalt nicht rechtzeitig zahlt, ist er in Verzug. Das bedeutet, dass Dein Arbeitgeber nicht nur Dein Gehalt zahlen muss, sondern auch Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz.

Zusätzlich steht im Gesetz, dass Dein Arbeitgeber pro Monat, den er im Verzug mit der Zahlung Deines Gehalts ist, Dir eine Schadenspauschale in Höhe von 40 EUR zahlen muss.

Du kannst von Deinem Arbeitgeber also sowohl Dein Gehalt, als auch Zinsen, aber auch für jeden Monat die Pauschale in Höhe von 40 EUR fordern.

Formlose Zahlungsaufforderung per E-Mail mit Fristsetzung oder direkt Klage erheben

Wenn Dein Arbeitgeber Dir Dein Gehalt nicht zahlt und Du jetzt schon weißt, dass er auch nicht zahlen wird, wenn Du ihn dazu aufforderst, dann kannst Du auch direkt Klage auf Zahlung Deines Gehalts vor dem Arbeitsgericht erheben. Schaue hierfür weiter unten.

Zahlt Dein Arbeitgeber Dein Gehalt nicht vollständig oder nicht rechtzeitig und hast Du Hoffnung darauf, dass er Dir Dein Gehalt noch zahlen wird, dann macht es Sinn, dass Du ihn erstmal aufforderst, Dir Dein Gehalt zu zahlen. Vielleicht hat er es nämlich nur vergessen oder es gibt einen Fehler in der Buchhaltung.

Schreibe ihm also am besten eine E-Mail mit dem unten stehenden Inhalt. Du kannst hier selbstständig entscheiden, wie streng Du sein willst. Wenn Du grds. ein gutes Verhältnis zu Deinem Arbeitgeber hast, kannst Du den zweiten Absatz auch rauslassen. Das Recht, Dein Gehalt vor Gericht einzuklagen, hast Du in jedem Fall.

Anschrift Deines Arbeitgebers

Deine Anschrift

Sehr geehrte(r) Frau/Herr XXX,

Mein Arbeitsentgelt für die Monate XXX und XXX 2020 ist bis heute nicht auf meinem Konto eingegangen. Der ausstehende Betrag beläuft sich auf insgesamt XXX Euro. Ich fordere Sie hiermit auf, diesen Betrag binnen 7 Tagen ab Zugang dieser E-Mail auf mein Konto zu überweisen. Zusätzlich zum rückständigen Gehalt fordere ich Sie hiermit auf, die auf das rückständige Gehalt entfallenen Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem aktuell geltenden Basiszinssatz zu zahlen. Weiterhin fordere ich Sie hiermit auf, mir die Pauschale in Höhe von 40 EUR pro Monat zu zahlen, den Sie sich mit der Zahlung meines Gehalts in Rückstand befinden. 

Sollte die oben genannte Frist ergebnislos verstreichen, sehe ich mich dazu gezwungen, von meinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch zu machen und meine Ansprüche gegebenenfalls vor Gericht geltend zu machen.

Mit besten Grüßen 

Deine Unterschrift.”

Wenn Du 2 Monate oder länger kein Gehalt bekommen hast, darfst Du die Arbeit verweigern

Wenn Dein Arbeitgeber Dein Gehalt für mindestens 2 Monate nicht gezahlt hat, kannst Du die weitere Arbeit verweigern und musst nicht mehr zur Arbeit gehen. Wenn Du aber für ein wichtiges Projekt zuständig bist, musst Du leider weiterhin zur Arbeit gehen und darfst nicht verweigern. Wenn Du aber lediglich normaler Angestellter, Werkstudent, Minijobber etc. bist, kannst Du die Arbeit verweigern.

Willst Du Deine Arbeit verweigern, schreib Deinem Arbeitgeber eine E-Mail mit dem unten stehenden Inhalt. Dein Gehalt für die Zeit, in der Du die Arbeit verweigerst, kannst Du vom Jobcenter bekommen. Siehe hierzu unten.

Anschrift Deines Arbeitgebers

Deine Anschrift

Sehr geehrte(r) Frau/Herr XXX,

Mein Arbeitsentgelt für die Monate XXX und XXX 2020 ist bis heute nicht auf meinem Konto eingegangen. Der ausstehende Betrag beläuft sich auf insgesamt XXX Euro. Ich fordere Sie hiermit auf, diesen Betrag binnen 7 Tagen ab Zugang dieser E-Mail auf mein Konto zu überweisen. Zusätzlich zum rückständigen Gehalt fordere ich Sie hiermit auf, die auf das rückständige Gehalt entfallenen Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem aktuell geltenden Basiszinssatz zu zahlen. Weiterhin fordere ich Sie hiermit auf, mir die Pauschale in Höhe von 40 EUR pro Monat zu zahlen, den Sie sich mit der Zahlung meines Gehalts in Rückstand befinden. 

Da Sie bereits mit der Zahlung von 2 Monatsgehältern in Rückstand sind, werde ich ab sofort von meinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch machen und meine weitere Arbeit verweigern, bis Sie mir den rückständigen Betrag gezahlt haben. Ich behalte mir in jedem Fall vor, meine Ansprüche gegebenenfalls vor Gericht geltend zu machen.

Mit besten Grüßen 

Deine Unterschrift.”

Du kannst Arbeitslosengeld bei der Bundesagentur für Arbeit (Jobcenter) beantragen

In der Zeit, in der Du Deine Arbeit berechtigterweise verweigerst (siehe oben), kannst Du beim Jobcenter Arbeitslosengeld beantragen. Wenn Du hast Deine Arbeit berechtigterweise verweigerst giltst Du als „ohne Arbeit“. Das reicht aus, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, obwohl Dir keine gekündigt hat.

Unter folgenden Voraussetzungen bekommst Du im Zeitraum Deiner Arbeitsverweigerung Arbeitslosengeld

Für die Zahlung von Arbeitslosengeld müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Dein Arbeitgeber ist mit der Zahlung Deines Gehalts für mindestens 2 Monate in Verzug, und
  • Du arbeitest nicht und hast Dich gegenüber Deinem Arbeitgeber auf Dein Zurückbehaltungsrecht (Dein Recht zur Arbeitsverweigerung) berufen, ihm also mitgeteilt, dass Du bis zur Nachzahlung Deines Gehalts nicht mehr arbeiten wirst, und
  • Du bist noch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis. Sollte Dein Arbeitgeber Dir wegen der Arbeitsverweigerung gekündigt haben, ist diese Kündigung in der Regel unwirksam.

Wie beantrage ich das Arbeitslosengeld?

Folgende Schritte musst Du zur Beantragung des Arbeitslosengeldes unternehmen:

  • Du musst Dich bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden und Arbeitslosengeld beantragen. Schaue hierfür einmal auf die Website der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest Du viele wichtige Informationen zur Anmeldung und Beantragung von Arbeitslosengeld;
  • Bei der Beantragung von Arbeitslosengeld musst der Arbeitsagentur Kopien von Deinen Kontoauszügen und Lohn-  oder Gehaltssabrechnungen vorzeigen. Hiermit kannst Du beweisen, dass Du Deine Arbeit verweigerst, weil Dein Arbeitgeber seit mindestens 2 Monaten Dein Gehalt nicht zahlt;
  • Zudem musst Du der Arbeitsagentur Deine E-Mail oder den Brief zeigen, den Du an Deinen Arbeitgeber geschrieben hast, in dem Du Deinem Arbeitgeber mitteilst, dass Du die Arbeit verweigerst.

Keine Angst – Dein Arbeitgeber darf Dir nicht kündigen & Dich nicht abmahnen

Wenn Du berechtigterweise die Arbeit verweigerst, wenn also mindestens 2 Monate kein Gehalt gezahlt wurde und Du nicht für ein wichtiges Projekt zuständig bist, darf Dein Arbeitgeber Dir auch nicht kündigen. Er darf Dir auch keine Abmahnung wegen der Arbeitsverweigerung geben.

Tut er dies doch, sind Kündigung und Abmahnung wegen der Arbeitsverweigerung unwirksam. In beiden Fällen solltest Du aber einen Anwalt aufsuchen und Deine genaue Situation zumindest einmal schildern. Nutze hierfür einen der unten stehenden Online Services, bei denen Du eine kostenlose Beratung bekommst.

Ja – Wenn Dein Arbeitgeber 2 Monate in Zahlungsverzug & Du ihn vorher abgemahnt hast

Über eine fristlose Kündigung solltest Du zunächst einmal nur nachdenken, wenn Du sowieso nicht mehr für Deinen Arbeitgeber arbeiten möchtest und ggf. schon einen anderen Job in Aussicht hast.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Du fristlos kündigen kannst:

  • 2 Monate Zahlungsrückstand: Dein Arbeitgeber muss mit der Zahlung von mindestens 2 Monatsgehältern im Rückstand sein;
  • Abmahnung: Du musst Deinen Arbeitgeber mindestens einmal wegen der rückständigen Zahlung abgemahnt haben.

Was Du bei der Abmahnung und der fristlosen Kündigung beachten musst und wie Du diese am besten formulierst, siehst Du in den folgenden Fragen.

Wenn Du fristlos kündigst, hast Du zusätzlich das Recht auf Schadensersatz & Abfindung

Wenn Dein Arbeitgeber mit mindestens 2 Monatsgehältern in Rückstand ist, Du ihn abgemahnt hast, er bis zum Fristablauf nicht gezahlt hat und Du daher fristlos gekündigt hast, hast Du zusätzlich Anspruch auf Schadensersatz und Abfindung.

Diese Ansprüche hast Du deswegen, weil Dein Arbeitgeber dadurch, dass er so lange Dein Gehalt nicht gezahlt hat, Schuld daran ist, dass Du das Arbeitsverhältnis fristlos kündigst. Diese Ansprüche auf Schadensersatz & Abfindung hast Du selbst dann, wenn Du schon einen neuen Arbeitgeber hast. Zur Ausrechnung und Geltendmachung dieser Ansprüche, sprich am besten einem mit einem Anwalt. Diesen findest Du über einen der unten stehenden Online Services. Das erste Gespräch mit dem Anwalt ist immer kostenlos!

Schadensersatz & Abfindung kannst Du in folgender Höhe fordern

  • Schadensersatz in Höhe der Monate der ordentlichen Kündigungsfrist: Die Höhe des Schadensersatzes richtet sich nach der Anzahl der Monate, die Du bei einer ordentlichen Kündigung des Arbeitsverhältnisses einhalten müsstest. Schau zur ordentlichen Kündigungsfrist einmal in Deinen Arbeitsvertrag. Beträgt diese bspw. 3 Monate, kannst Du als Schadensersatz 3 volle Monatsgehälter von Deinem Arbeitgeber fordern;
  • Abfindung in Höhe von 0,5 Bruttomonatsgehälter pro Beschäftigungsjahr: Wenn für Dich das Kündigungsschutzgesetz gilt (KSchG gilt bei mehr als 10 Vollzeitmitarbeitern – siehe auch LexMe Artikel Dein Recht bei Kündigung & Aufhebungsvertrag), bekommst Du als Kompensation für den Verlust Deines Arbeitsverhältnisses zusätzlich eine Abfindung. Diese beträgt in der Regel 0,5 Bruttomonatsgehälter pro Jahr, in dem Du bei Deinem Arbeitgeber beschäftigt warst (siehe zur Abfindung den LexMe Artikel Dein Recht auf Abfindung bei Kündigung & Aufhebungsvertrag).

Abmahnung per E-Mail oder Brief – 14 Tage Fristsetzung – Androhung der fristlosen Kündigung

Die Abmahnung verfasst Du am besten per E-Mail. Du kannst sie auch per Brief verfassen. Eine Form für die Abmahnung ist jedoch nicht vorgeschrieben.  In die Abmahnung musst Du schreiben, dass Du Deinem Arbeitgeber eine Frist von 2 Wochen zur Zahlung Deines rückständigen Gehalts gibst. Für den Fall, dass er das Gehalt in dieser Frist nicht gezahlt haben sollte, drohst Du ihm die sofortige fristlose Kündigung Deines Arbeitsverhältnisses an.

Anschrift Deines Arbeitgebers

Deine Anschrift

Sehr geehrte(r) Frau/Herr XXX,

Mein Arbeitsentgelt für die Monate XXX und XXX 2020 ist bis heute nicht auf meinem Konto eingegangen. Der ausstehende Betrag beläuft sich auf insgesamt XXX Euro. Ich fordere Sie hiermit auf, diesen Betrag binnen 14 Tagen ab Zugang dieser E-Mail auf mein Konto zu überweisen. Zusätzlich zum rückständigen Gehalt fordere ich Sie hiermit auf, die auf das rückständige Gehalt entfallenen Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem aktuell geltenden Basiszinssatz zu zahlen. Weiterhin fordere ich Sie hiermit auf, mir die Pauschale in Höhe von 40 EUR pro Monat zu zahlen, den Sie sich mit der Zahlung meines Gehalts in Rückstand befinden. 

Sollte die oben genannte Frist ergebnislos verstreichen, sehe ich mich dazu gezwungen, mein mit Ihnen bestehendes Arbeitsverhältnis außerordentlich und fristlos zu kündigen. Der Rückstand von nunmehr mehr als 2 Monatsgehältern ist für mich nicht länger hinnehmbar. Ich habe selbst finanzielle Verpflichtungen, die ich aktuell nur noch schwerlich begleichen kann. 

In jedem Fall behalte ich mir vor, ggf. auch zusätzlich zur fristlosen Kündigung, meine Ansprüche auf das rückständige Gehalt, auf Schadensersatz, Abfindung sowie alle sonstigen Ansprüche notfalls vor Gericht geltend zu machen.

Mit besten Grüßen 

Deine Unterschrift.”

Wenn Dein Arbeitgeber 2 Monate im Rückstand ist und trotz Abmahnung nicht zahlt, kannst Du fristlos kündigen

Folgende Punkte musst Du bei der fristlosen Kündigung beachten:

  • Die fristlose Kündigung musst Du als Brief verfassen. Sie muss nämlich in jedem Fall schriftlich sein.
  • Die Kündigung adressierst Du an Deinen Arbeitgeber direkt und teilst ihm mit, dass Du das zwischen Euch bestehende Arbeitsverhältnis außerordentlich und fristlos zu sofort kündigst.
  • Du musst ihm die Gründe der fristlosen Kündigung mitteilen. Diesbezüglich schreibst Du in die Kündigung, dass er Dir für einen Zeitraum von über 2 Monaten Dein Gehalt nicht gezahlt hat, Du ihn deswegen schon einmal abgemahnt hast und Du nunmehr kein Vertrauen in Bezug auf die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses hast. Wegen des ausbleibenden Gehalts kannst Du Deinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.
  • Schreib ihm zudem, dass Du die Forderung des rückständigen Gehalts aufrecht erhältst und diese, genau wie die Schadensersatzforderung & die Forderung nach Abfindung notfalls per Klage vor dem Arbeitsgericht einklagen wirst.
  • Hol Dir falls Du Fragen hast, vor Absendung der fristlosen Kündigung Rat von einem Rechtsanwalt im Arbeitsrecht. Mit diesem kannst Du auch den Schadensersatz und die Abfindung berechnen. Für einen guten Rechtsanwalt schau einfach einmal bei einem der unten stehenden Online Services vorbei. Hier wird Dir sicher, schnell und in einem ersten Gespräch sogar kostenlos geholfen.

Formuliere die fristlose Kündigung am besten wie folgt

Anschrift Deines Arbeitgebers

Deine Anschrift

Sehr geehrte(r) Frau/Herr XXX,

Mein Arbeitsentgelt für die Monate XXX und XXX 2020 ist bis heute nicht auf meinem Konto eingegangen. Der ausstehende Betrag beläuft sich auf insgesamt XXX Euro. Ich habe Sie mit Datum vom XXX abgemahnt und Sie aufgefordert, diesen Betrag binnen 14 Tagen ab Zugang der Abmahnung auf mein Konto zu überweisen. Weiterhin habe ich für den Fall der ausbleibenden Zahlung meine fristlose Kündigung angedroht.

Hiermit kündige ich also das zwischen uns bestehende Arbeitsverhältnis außerordentlich und fristlos. Die Gründe hierfür lauten u.a. wie folgt:

  • Aufgrund des Rückstands von nunmehr mehr als 2 Monatsgehältern ist für mich nicht länger hinnehmbar. Ich habe selbst finanzielle Verpflichtungen, die ich aktuell nur noch schwerlich begleichen kann. 
  • Aufgrund des massiven Zahlungsrückstandes und der ausbleibenden Zahlung trotz Fristsetzung von 14 Tagen, kann ich Ihnen als Arbeitgeber nicht länger vertrauen. 
  • XXX

Zusätzlich zur vorliegenden außerordentlichen und fristlosen Kündigung, fordere ich Sie hiermit auf, mir das rückständige Gehalt inkl. Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem aktuell geltenden Basiszinssatz sowie die Pauschale in Höhe von 40 EUR pro Monat, in dem Sie mit der Zahlung meines Gehalts im Rückstand sind, binnen 14 Tagen seit Zugang dieses Schreibens auf das Ihnen bekannte Konto von mir zu überweisen. Weiterhin werde ich von Ihnen u.a. Schadensersatz und eine Abfindung fordern. Die genaue Höhe dieser Forderungen werde ich Ihnen in einem gesonderten Schreiben zukommen lassen. Alle Ansprüche werde ich notfalls gerichtlich durchsetzen.

Mit besten Grüßen 

Deine Unterschrift.”

Du kannst zu jeder Zeit Klage auf Zahlung Deines Gehalts plus Zinsen & 40 EUR Pauschale erheben 

Sollten Deine Aufforderungen zur Zahlung Deines Gehalts nicht fruchten oder von Deinem Arbeitgeber verweigert werden oder solltest Du ohnehin schon wissen, dass er nicht zahlen wird, dann kannst Du auch direkt vor dem Arbeitsgericht Klage auf Zahlung Deines rückständigen Gehalts erheben. Diese Klage wird in der Regel “Zahlungsklage” oder “Lohnklage” genannt.

Die Klage solltest Du aber nur erheben, wenn Du ohnehin schon weißt, dass Du nicht mehr für Deinen Arbeitgeber arbeiten möchtest. Denn sobald es vor Gericht geht, sind die Fronten verhärtet und das Verhältnis zwischen Dir und Deinem Arbeitgeber wird wohl zerrüttet sein. Im Rechtsstreit vor Gericht knickt der Arbeitgeber aber oft ein und zahlt häufig schnell das Geld.

Wenn Du Klage erheben willst, beachte die in der folgenden Frage stehenden wichtigen Punkte.

Folgendes musst Du bei einer gerichtlichen Klageerhebung beachten

  • Zuständiges Gericht: Das zuständige Gericht ist das Arbeitsgericht an dem Ort, an dem Du Deine Arbeit erbringst. Wenn Du überwiegend im Büro Deines Arbeitgebers arbeitest, ist das hier zuständige Arbeitsgericht das richtige. Wenn Du überwiegend im Homeoffice arbeitest, ist das Arbeitsgericht Deines Wohnorts das richtige.
  • Du brauchst keinen Anwalt: Vor dem Arbeitsgericht besteht in der 1. Instanz kein Anwaltszwang. Du kannst die Klage also selbstständig erheben. Solltest Du Dich unsicher fühlen, kannst Du natürlich auch einen Anwalt beauftragen. Du musst diesen dann aber selber bezahlen.
  • Du kannst die Klage selber erstellen & einreichen: Deine Zahlungsklage kannst Du selbstständig erstellen. Ein Muster für die Klage findest Du weiter unten oder bei Deinem Arbeitsgericht vor Ort. Hier kannst Du einfach hingehen und das Personal nach Vordrucken für eine Zahlungsklage fragen. Das Muster füllst Du dann aus, unterzeichnest es und reichst es direkt beim Gericht ein.
  • Ausschlussfrist beachten: Die Einreichung der Zahlungsklage muss in jedem Fall vor Ablauf der Ausschlussfrist erfolgen. Was die Ausschlussfrist ist und wann diese abläuft, erfährst Du weiter oben.
  • Keine Gerichts- oder Anwaltskosten: Du zahlst für die Klage keine Gebühren, wenn das Gerichtsverfahren durch eine Einigung (Vergleich) zwischen Dir und Deinem Arbeitgeber beendet wird. Sofern Du Dir auch keinen Anwalt nimmst, zahlst Du vor dem Arbeitsgericht keine Anwaltskosten. Den Anwalt von Deinem Arbeitgeber musst Du auch nicht bezahlen. Wenn Du Dich mit Deinem Arbeitgeber nicht einigst, wird das Gericht ein Urteil fällen. Wenn Du das Urteil gewinnst, zahlst Du keine Gerichtskosten. Wenn Du das Urteil verlierst, zahlst Du Gerichtskosten.
  • Ablauf nach Klageeinreichung: Nachdem Du die Klage eingereicht hast, wird diese innerhalb weniger Tage an Deinen Arbeitgeber zugestellt. Gleichzeitig wird ein Termin bestimmt, bei dem Du und Dein Arbeitgeber sich persönlich vor dem Arbeitsgericht treffen. Dieser Termin findet oft schon 2-3 Wochen, nachdem Du die Klage eingereicht hast, statt. In diesem Termin besprecht Ihr dann zusammen mit dem Richter, ob Dein Arbeitgeber Dir das Gehalt zahlen muss. Meist wird in diesem ersten Termin schon das Ziel erreicht und Du bekommst Dein Gehalt.
  • Wenn Du gewinnst, bekommst Du ein Urteil und damit einen “Titel”: Wenn Ihr Euch nicht gütlich einigt, Du aber die Klage gewinnst, bekommst Du mit dem Urteil gegen Deinen Arbeitgeber einen “Titel”, mit dem Du zum Gerichtsvollzieher gehen kannst und Dein ausstehendes Gehalt vollstrecken kannst.

Deine Zahlungsklage kannst Du wie folgt aufbauen

(Beachte, dass Du ggf. Sachen streichen oder weitere Punkte ergänzen musst. Dieses Muster ist erstmal nur ein erster Anhaltspunkt dafür, wie Du Deine Klage grds. aufbauen solltest. Wenn Du unsicher bist, gehe direkt zum Arbeitsgericht und stell die Klage hier vor Ort. Oder suche Dir in den unten stehenden Online Services einen Anwalt, der Dich sicher und kostengünstig berät.)

Klage auf Zahlung von Arbeitsvergütung

An das Arbeitsgericht ___________________________

Ich Herr/Frau _____________________

________________________________

________________________________

Tel._____________________________

Kläger/in

erhebe hiermit gegen

_________________________________

_________________________________

_________________________________

_________________________________

_________________________________

Beklagte/r

Zahlungsklage

und beantrage, die Beklagte zu verurteilen:

an den Kläger/in ____________ EUR brutto

nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem (Tag des Eintritts des Verzugs)

nebst einer Pauschale in Höhe von 40 EUR für die Monate XXX.

Begründung

Ich bin geboren am _________________ und seit dem _________________ bei dem/der Beklagten in _______________________ als ____________________________ beschäftigt.

Das Arbeitsverhältnis endete am _________________.

Die regelmäßige wöchentliche/monatliche Arbeitszeit betrug ___________ Stunden bei _________ Arbeitstagen in der Woche.

Das Monatsgehalt/Der Stundenlohn betrug zuletzt _____________ Euro brutto.

Ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist abgeschlossen worden und beigefügt/wird nachgereicht.

Die Beklagte hat seit dem _________________ keinen Arbeitslohn mehr an die Klägerin gezahlt. Damit ist sie mit der Zahlung des Arbeitslohnes in Höhe von _________________ EUR rückständig. 

_________________ (Ort), den _________________ (Datum)

_________________ (Deine Unterschrift).